Alle Artikel in: Diskussionen

Ökoroutine als politisches Konzept

[Literaturtipp] Was macht es auch wissenden Konsumenten so schwer das Wissen umzusetzen und (auch) suffizienter zu leben? Michael Kopatz sucht nach Antworten in seinem bemerkenswerten Buch ‚Ökoroutine‘ und kommt zu einer veränderten Perspektive auf das Thema. Nicht der so häufig (meist verhallende) Appell an die Konsumenten, sich zu beschränken, sondern eine Forderung, die Rahmenbedingungen für die Verbraucher so zu verändern, dass ein Weniger einfacher wird. Der nachfolgende Beitrag von Michael Kopatz wurde redaktionell leicht gekürzt. Ökoroutine als politisches Konzept Strukturen ändern statt Menschen Befragungen zeigen, dass sich fast die gesamte Bevölkerung mehr Engagement beim Klimaschutz wünscht, doch geflogen wird so viel wie nie zuvor. Kollektiv wollen wir den Wandel, individuell möchten nur Wenige den Anfang machen. Es ändert sich wenig, weil sich die Menschen benachteiligt fühlen, wenn sie »allein« auf den Flug oder das Auto verzichten oder sich einschränken. Das kann sich ändern, wenn wir das erwünschte Verhalten zur Routine machen. Ökoroutine zeigt: Wir können nachhaltig leben, ohne uns tagtäglich mit Klimawandel oder Massentierhaltung befassen zu müssen. Ökoroutine macht Nachhaltigkeit zum Normalfall; nicht Öko ist …

Titel des Buches 10 Milliarden von Stephen Emmott

10 Milliarden (sind zu viel)

[Literaturtipp] „I think we’re fucked“ – Das flott erzählte und graphisch ansprechende Buch von Stephen Emmott wirkt lange nach. Man gelangt beim Lesen eindrücklich zu den Fragen und Antworten, warum wir den Klimawandel und dessen Konsequenzen nicht aufhalten können. Ehrlich gesagt, in dem Buch steht kaum etwas, was man nicht schon mal an anderer Stelle gelesen oder gehört hat. Wir wissen, wenn wir so weiterwirtschaften, wird der globale Wandel für uns Menschen recht unerfreulich. Es gibt schon seit über 30 Jahren vielzählige Veröffentlichungen und Beiträge auf allen Kanälen. Aber genutzt – in dem Sinne, dass der uneingeschränkte Verbrauch von Ressourcen sinken würde – haben sie alle noch nicht. Entweder wollen wir nicht wissen oder haben noch nicht verstanden, was passieren wird oder die Adressaten (Politiker und/oder Konsumenten) sind noch nicht ausreichend deutlich angesprochen worden, sodass sich irgendwer veranlasst gefühlt haben könnte, wirklich im Sinne eines substantiellen Klimaschutzes zu handeln? Ich habe das Buch von meiner Tochter geschenkt bekommen. Großartig. Die seit der Pubertät immer wieder dezent mindestens aufgedrängte Auseinandersetzung mit der Verletzbarkeit unseres Seins auf …

Suffizienz findet nicht statt: EnEV und KfW

[Blogbeitrag] Der Bund könnte Suffizienz im Bauen fördern. Tut er es? Zwei potentielle staatliche Steuerungsmöglichkeiten auf dem Suffizienz-Prüfstand. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Fortschritte in Effizienzaspekten und der Ausbau der regenerativen Energieversorgung bisher nicht zu den erhofften Einsparungen im Ganzen geführt haben. Ein öffentlicher Diskurs über das Erfordernis von Suffizienz (im Bauen) wird bisher kaum geführt, zugleich wird hinter vorgehaltener Hand kaum noch Jemand die Notwendigkeit bestreiten. Das große Potential eines maßvollen Verbrauchs wird nicht ausschließlich durch die wenigen bewussten Konsumenten zu heben sein. Es müssen Verbrauchs-Begrenzungen definiert und zugleich Förderungen mit Anreizen zum Weniger geschaffen werden. Und wer könnte eine Entwicklung in diese Richtung besser auslösen als die beiden gängigen Instrumente des Staates: die Forderungsseite der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) und die Förderung durch die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)? EnEV fordert keine Suffizienz Über die verbindlich geltende und einzuhaltende Energieeinsparverordnung (EnEV) als Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden werden Mindeststandards zum effizienten Betrieb möglichst in Verbindung mit einer regenerativen Energieversorgung von Gebäuden vorgeschrieben. Diese Verordnung wird auch noch in regelmäßigen Abständen …

Suffizienzpfad Energie – die Grundlagenstudie

[Literaturtipp] Seit vielen Jahren ist die Schweiz führend in der Entwicklung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien im Bauwesen. Demnach lohnt es den Fortschritt unserer Nachbarn im Blick zu behalten – auch und insbesondere in Bezug auf Suffizienz. In der internationalen Fachwelt gelten beispielsweise die nachfolgenden Leitfäden und Arbeitshilfen als Meilensteine: Empfehlungen zum Nachhaltigen Bauen (SIA 112/1, 2004) Systematik für nachhaltigkeitsorientierte Architekturwettbewerbe (SIA D0200, 2004) das energiepolitische Modell der 2.000-Watt-Gesellschaft, dass in Zürich im Jahr 2008 in der Gemeindeordnung festgeschrieben wurde. Ebenfalls von der Stadt Zürich wurde im Jahr 2012 der „Suffizienzpfad Energie – Das Beispiel Wohnen“ veröffentlicht. Die Grundlagenarbeit beschreibt erstmals konkret, welches Reduktionspotential an Primärenergie und Treibhausgasemissionen sich durch moderat suffizientes Nutzerverhalten erschließen lässt. In der Studie werden somit vor allem die Maßnahmen betrachtet, die noch bestehen, wenn die Gebäudehülle bereits hochwertig gedämmt ist (= Effizienz) und auch ein hoher Anteil erneuerbarer Energie genutzt wird (= Konsistenz). Die Methodik Der „Suffizienzpfad Energie“ betrachtet drei Hauptaspekte in seiner ganzheitlichen Bilanz: Den Strom- und Wärmebedarf im Gebäudebetrieb, die „Graue Energie“ bei der Gebäudeerstellung sowie das Mobilitätsverhalten infolge …

2.000-Watt Gesellschaft

„Weniger ist weniger – und anders“

[Artikeldownload] Vor dem Hintergrund bestehender Energieeinsparungs- und Klimaschutzziele erscheint der Schlüsselbegriff „Nachhaltigkeit“ die Bedeutung als historische Chance eines dauerhaft neuen Naturverständnisses zu erlangen. Quasi als Heilsversprechen wird im Zusammenhang des „Green New Deal“ angenommen, dass sich das Wachstumsparadigma durch technische Innovationen sowie einer Entkoppelung von Bruttoinlandsprodukt und Treibhausgasen weiterhin verfolgen lässt. […] Kann Suffizienz als dritte maßgebliche Nachhaltigkeitsstrategie – die das Nutzerverhalten mit einbezieht – zum Wandel beitragen? Gibt es positive Zielsysteme im Bauwesen die entsprechende Handlungen auslösen? Und wie lassen sich praxistaugliche Suffizienzziele und -kriterien für Architekten definieren? Diesen Fragen gingen die Autoren in ihrem ersten gemeinsamen Artikel „Weniger ist weniger – und anders“ in der Deutschen Bauzeitung nach. Gleichzeitig bildete diese Veröffentlichung den Auftakt zum Suffizienzblog. Der Beitrag st als kostenfreies PDF verfügbar und wurde mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Bauzeitung dem Heft 06/2015 „Suffizienz“,  entnommen. Quelle: db-bauzeitung.de