Autor: Arne Steffen

DD für Suffizienz

Dagobert Duck gegen Klaas Klever oder Suffizienz gegen Konsistenz?

[Literaturtipp] Nachhaltigkeit braucht das Miteinander der drei bekannten Strategien und keinen Wettbewerb. Doch genau diesen entfachen die beiden Erzrivalen Dagobert Duck als Vertreter eines suffizienten Konzepts und Klaas Klever mit einer konsistenten Lösung in der Geschichte ‚Tauziehen um die Seilbahn’ (Lustiges Taschenbuch Nr. 488) auf der Suche nach dem wirtschaftlichsten Nahverkehrskonzept für Entenhausen. Es wird in der Stadt die Entwicklung eines Seilbahnsystems – als explizit nachhaltiges Transportmittel – ausgeschrieben. Laut dem Bürgermeister wird sie „alle umweltschädlichen und teuren Verkehrsmittel in Entenhausen überflüssig machen“. Die beiden Kontrahenten bleiben sich natürlich in ihren Grundzügen treu: Dagobert als der laut wikipedia zugleich so reiche, aber auch geizigste Mann weit und breit gegen Klaas Klever, dem ewig Zweitreichsten mit seinem Hang zu Luxus und seinem weitaus freigiebigeren Umgang mit Geld. Entsprechend unterschiedlich sind die beiden Konzepte: Dagobert entwickelt ein Stadtseilbahnsystem mit Pedalantrieb durch die Passagiere. Klaas hingegen bietet Luxuskabinen mit bequemen Sessel und Gratiserfrischungen an, die durch Sonnenkollektoren bewegt werden. Zu der dann konsistenten Energiebereitstellung kommt selbst der geniale Erfinder Daniel Düsentrieb nicht umhin, das ökologische Moment festzustellen. Aber …

Ökoroutine als politisches Konzept

[Literaturtipp] Was macht es auch wissenden Konsumenten so schwer das Wissen umzusetzen und (auch) suffizienter zu leben? Michael Kopatz sucht nach Antworten in seinem bemerkenswerten Buch ‚Ökoroutine‘ und kommt zu einer veränderten Perspektive auf das Thema. Nicht der so häufig (meist verhallende) Appell an die Konsumenten, sich zu beschränken, sondern eine Forderung, die Rahmenbedingungen für die Verbraucher so zu verändern, dass ein Weniger einfacher wird. Der nachfolgende Beitrag von Michael Kopatz wurde redaktionell leicht gekürzt. Ökoroutine als politisches Konzept Strukturen ändern statt Menschen Befragungen zeigen, dass sich fast die gesamte Bevölkerung mehr Engagement beim Klimaschutz wünscht, doch geflogen wird so viel wie nie zuvor. Kollektiv wollen wir den Wandel, individuell möchten nur Wenige den Anfang machen. Es ändert sich wenig, weil sich die Menschen benachteiligt fühlen, wenn sie »allein« auf den Flug oder das Auto verzichten oder sich einschränken. Das kann sich ändern, wenn wir das erwünschte Verhalten zur Routine machen. Ökoroutine zeigt: Wir können nachhaltig leben, ohne uns tagtäglich mit Klimawandel oder Massentierhaltung befassen zu müssen. Ökoroutine macht Nachhaltigkeit zum Normalfall; nicht Öko ist …

Vina vor ihrem Tiny House - einem winzigen Holzhäuschen auf einem Trailer im Sonnenschein

14 Quadratmeter sind genug

[Interview] Ein Haus mit 14 Quadratmeter Wohnfläche. Das klingt nach einem Kindertraum. Ist aber in den USA schon Realität. Die sogenannten Tiny Houses sind viel verbreiteter als man sich das vorstellt, so, dass bereits von einer “Bewegung” gesprochen wird. Mit einer Bewohnerin eines Tiny House, Vina Lustado, die in der Nähe von Los Angelos seit 2013 auf so kleinem Raum lebt, kann man trefflich über die Vor- und vielleicht auch Nachteile von solche reduziertem Wohnen und Suffizienz diskutieren. Vina arbeitet seit 20 Jahren als Architektin, überwiegend beschäftigt sie sich mit Wohnungs- und Gewerbebau, darunter auch viel Nichtsuffizientes. Sie selber hat aber immer am liebsten klein gewohnt. Interview mit Vina Lustado, der Bewohnerin des Tiny Houses Der Interviewer ist seit vielen Jahren mit Vina befreundet, es ist bereits viel auch über Nachhaltigkeit und Suffizienz diskutiert worden. Nachfolgend die Dokumentation eines Skype-Interviews mit Vina über ihr Tiny House. Arne Steffen: Was war der Auslöser für Dein Projekt? Vina Lustado: Ich bin lustigerweise durch Dich, Arne, auf die “Tiny House”-Bewegung aufmerksam geworden. Das Modell passte perfekt zu meiner …

Visualisierung K76_Sued-West-Ansicht

Suffizienz im Nurstromhaus

[Blogbeitrag] Stromheizungen waren noch vor wenigen Jahren verpönt. Eine nachhaltig orientierte Wohnbaugenossenschaft realisiert jetzt ein Nurstromhaus. Kann Strom vielleicht doch ein nachhaltiger Energieträger sein? Die Wohngenossenschaft K76 baut in Darmstadt zurzeit in Wohnhaus mit 13 Wohneinheiten. Mit diesem Projekt wird auch das Ziel verfolgt, Formen zum nachhaltig-suffizienten Wohnen zu realisieren. Die Absicht findet Niederschlag nicht nur in der Gesellschaftsform der Genossenschaft, sondern ebenso in verschiedenen (und an anderer Stelle zu vertiefenden) Aspekten wie den einfach zu verändernden Grundrissen, einem umfassenden Angebot von gemeinschaftlich zu nutzenden Flächen. Diese sind mittlerweile für sogenannte Wohnprojekte fast schon üblich. Das Nurstromhaus erregt Aufsehen Aufsehen aber erregt das Projekt mit einer bisher ungewöhnlichen Entscheidung. Die noch notwendige Heizenergie wird ausschließlich mit Strom bereitgestellt. Da dann auch konsequenterweise Warmwasser mit Durchlauferhitzern erzeugt wird, hat das Vorhaben schon vor der Fertigstellung als sogenanntes Nurstromhaus Aufmerksamkeit in der Presse erregt. Das Haus hat zeitgemäß einen sehr geringen Heizenergiebedarf von 17 kWh/m2a. Doch mit welchem Energieträger wird eine solch geringe Restwärme sinnvollerweise erzeugt und wie im Haus verteilt? Die Antwort ist natürlich nicht eindimensional. …

Titel des Buches 10 Milliarden von Stephen Emmott

10 Milliarden (sind zu viel)

[Literaturtipp] „I think we’re fucked“ – Das flott erzählte und graphisch ansprechende Buch von Stephen Emmott wirkt lange nach. Man gelangt beim Lesen eindrücklich zu den Fragen und Antworten, warum wir den Klimawandel und dessen Konsequenzen nicht aufhalten können. Ehrlich gesagt, in dem Buch steht kaum etwas, was man nicht schon mal an anderer Stelle gelesen oder gehört hat. Wir wissen, wenn wir so weiterwirtschaften, wird der globale Wandel für uns Menschen recht unerfreulich. Es gibt schon seit über 30 Jahren vielzählige Veröffentlichungen und Beiträge auf allen Kanälen. Aber genutzt – in dem Sinne, dass der uneingeschränkte Verbrauch von Ressourcen sinken würde – haben sie alle noch nicht. Entweder wollen wir nicht wissen oder haben noch nicht verstanden, was passieren wird oder die Adressaten (Politiker und/oder Konsumenten) sind noch nicht ausreichend deutlich angesprochen worden, sodass sich irgendwer veranlasst gefühlt haben könnte, wirklich im Sinne eines substantiellen Klimaschutzes zu handeln? Ich habe das Buch von meiner Tochter geschenkt bekommen. Großartig. Die seit der Pubertät immer wieder dezent mindestens aufgedrängte Auseinandersetzung mit der Verletzbarkeit unseres Seins auf …

Suffizienz findet nicht statt: EnEV und KfW

[Blogbeitrag] Der Bund könnte Suffizienz im Bauen fördern. Tut er es? Zwei potentielle staatliche Steuerungsmöglichkeiten auf dem Suffizienz-Prüfstand. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Fortschritte in Effizienzaspekten und der Ausbau der regenerativen Energieversorgung bisher nicht zu den erhofften Einsparungen im Ganzen geführt haben. Ein öffentlicher Diskurs über das Erfordernis von Suffizienz (im Bauen) wird bisher kaum geführt, zugleich wird hinter vorgehaltener Hand kaum noch Jemand die Notwendigkeit bestreiten. Das große Potential eines maßvollen Verbrauchs wird nicht ausschließlich durch die wenigen bewussten Konsumenten zu heben sein. Es müssen Verbrauchs-Begrenzungen definiert und zugleich Förderungen mit Anreizen zum Weniger geschaffen werden. Und wer könnte eine Entwicklung in diese Richtung besser auslösen als die beiden gängigen Instrumente des Staates: die Forderungsseite der Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) und die Förderung durch die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)? EnEV fordert keine Suffizienz Über die verbindlich geltende und einzuhaltende Energieeinsparverordnung (EnEV) als Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden werden Mindeststandards zum effizienten Betrieb möglichst in Verbindung mit einer regenerativen Energieversorgung von Gebäuden vorgeschrieben. Diese Verordnung wird auch noch in regelmäßigen Abständen …

Wahlkampfplakat von DIE GRÜNEN in Darmstadt mit dem Slogan: Bauen statt Reden

Reden vor dem Bauen

[Blogbeitrag] DIE GRÜNEN können Wahlkampf. Zugegebenermaßen waren sie dabei auch sehr erfolgreich. Und wir sind erstaunt. Von der Schlichtheit des Plakates BAUEN STATT REDEN im Darmstädter Kommunalwahlkampf. Das Plakat offenbart ein Verständnis von Nachhaltigkeit an der Suffizienz vorbei. Der Ruf nach 10.000 Wohnungen im Wahlkampf ist eine naheliegende und bequeme Antwort in Bezug auf die vermutete Knappheit des Darmstädter Wohnungsmarktes. Doch wir halten BAUEN STATT REDEN nicht für den richtigen Ansatz. Daniel Fuhrhop, Blogger und Autor schrieb schon in seinem Buch ‚Verbietet das Bauen’: „Genau wie vor zwanzig Jahren leben auch heute gut achtzig Millionen Menschen in Deutschland. Doch während dieser Zeit stieg die Zahl der Wohnungen von 35 auf 41 Millionen.“ (2015 oekom Verlag). Es ist nicht schwer sich vorzustellen, was sechs Millionen Wohnungen in Bezug auf die Umwelt auslösen an Versiegelung, an Erstellungsenergie, an durch die Zersiedelung ausgelösten Verkehr und an Betriebskosten. Sind wir dabei wenigstens glücklicher geworden? Vermutlich nicht. Bauen wird als Antwort gegeben. Aber was war die Frage? Der Bau von den sechs Millionen Wohnungen hat eigentlich nichts verändert – außer …

Eine Pinnwand, an der ca. 10 Zettel hängen, die alle ein Zimmer suchen.

Wie geht Gemeinschaft?

[Blogbeitrag] Sharing is caring! Es verspricht Nachhaltigkeit und Nutzen für den Verbraucher zugleich. In Wohnprojekten sollen Gemeinschaftsräume diese Hoffnung erfüllen. Doch für die erfolgreiche Umsetzung der guten Idee sind einige Regeln zu beachten. Gemeinschaftsräume! Sie sollen die Antwort sein auf die Frage, wie der über die letzten Jahrzehnte ständig gestiegene Wohnflächenverbrauch pro Person wieder reduziert werden könnte. Doch wer sollte warum etwas an seinem Wohnverhalten verändern? Es geht uns doch sehr gut. Wir leben im Durchschnitt auf über 45 Quadratmeter Wohnfläche pro Person, können in diesen Räumen schalten und walten, wie wir wollen. Höchstens die enormen Mieten stören daran, aber die eigenen Wände sind uns heilig. Für die der deutsche Durchschnittshaushalt mehr als ein Drittel seiner zur Verfügung stehenden Mittel ausgibt (Statistisches Bundesamt 2014). Die wenigen, informierten Nachhaltigkeits-Grübler wissen zwar, dass Klimaschutzziele nicht nur mit tollen und zu großen Nullenergiehäusern erreicht werden. Doch ist für die meisten Bewohner dieser Widerspruch ein bisher sehr gut aushaltbares und durchaus akzeptiertes Phänomen. Gemeinschaftsfläche könnte, das ist die Idee, das zu nutzende (Raum-)Angebot erweitern, sodass die Bewohner dadurch auf …